“Der Wandel gelingt nur mit uns”

Im intensiven Austausch beim Auftakt der Kunststofftarifrunde in Bayern: IGBCE-Verhandlungsführer Gerd Hammerl (links) mit Walter Vogg, Geschäftsführer im Verband der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Bayern e.V. (rechts). Foto: Michael Kniess

Die Herausforderungen sind klar: Die Energie- und rohstoffintensiven Industrien stehen im Zuge der Transformation besonders im Fokus. Hinzu kommen die Unsicherheiten bedingt durch die Automotive-Krise und den Ukraine-Krieg. Es waren diese Themen, die den Auftakt der Kunststofftarifrunde am 26. April in Bayern geprägt haben. Und: Es war ein Déjà-vu zum Verhandlungsauftakt der bayerischen Chemietarifrunde gut sechs Wochen zuvor an selber Stelle in Dornach bei München. Während die Arbeitgeberseite mit Verweis auf die steigenden Kostenbelastungen aus Rohstoff- und Energieversorgung sowie Unwägbarkeiten durch Krieg und Krise mauerte, setzte die IGBCE Bayern ihre Forderung unter das Motto „Solidarität, ja. Aber bitte auch mit uns.“.

“Umsatz- und Ertragslage der Unternehmen sind überwiegend positiv”

„Der dauerhafte Krisenmodus schlägt auf das Gemüt. Wirtschaftliche Interessen stehen unter Verweis auf den Wandel und den Ukraine-Krieg immer im Vordergrund. Die Beschäftigten fallen dabei leider hinten runter und haben das Gefühl, abgehängt zu werden“, resümierte Gerd Hammerl nach dem Austausch mit der Arbeitgeberseite über einen neuen Entgelttarifvertrag in der Kunststoffbranche. Der Verhandlungsführer und stellvertretende Landesbezirksleiter der IGBCE in Bayern weiter: „Sowohl Auftrags-, als auch Umsatz- und Ertragslage der Unternehmen sind überwiegend positiv. Diese konnten die steigenden Kostenbelastungen aus Rohstoff- und Energieversorgung bislang gut durch Preisanhebungen kompensieren.“ Beschäftigte, insbesondere der unteren bis mittleren Einkommensklassen, hätten dagegen kaum „Kostensparpotentiale“ und könnten immensen Kostensteigerung nur mit einem Instrument entgegnen: Den Wert der Arbeitskraft steigern.

Vor diesem Hintergrund möchte die IGBCE Bayern eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um durchschnittlich 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten erreichen, um die Kaufkraft der Beschäftigten nachhaltig zu steigern. Außerdem Gegenstand der Forderungen: die Förderung der aktiven Sozialpartnerschaft und des Engagements hierfür vor Ort in den Betrieben. Auch eine Ausbildung in der Kunststoff verarbeitenden Industrie müsse „MEHR.WERT“ sein. „Die Zukunftsaussichten sind für alle gleichermaßen schwierig einzuschätzen. Unsere Forderung ist dennoch notwendig und angemessen. Die Beschäftigten brauchen Sicherheit, Perspektiven und ein klares Signal: Wir sind es wert“, unterstrich Gerd Hammerl. „Der Wandel gelingt nur mit uns und nicht auf unserem Rücken.“

Fachkräftemangel mit attraktiven Arbeitsbedingungen entgegenwirken

An die Arbeitgeberseite gerichtet betonte der IGBCE-Verhandlungsführer: „Die Unternehmen sind vor dem Hintergrund von Arbeits- und Fachkräftemangel gut beraten, attraktive Arbeits- und Verdienstbedingungen sicherzustellen. Das ist eine vorausschauende und notwendige Investition in die Zukunft. Denn wenn die Arbeits- und Fachkräfte erst einmal weg sind, wird es kaum möglich sie zurückzugewinnen.“ Die Verhandlungen werden am 19. Mai fortgesetzt.

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