Der Internationale Frauentag ist immer noch wichtig, auch im Kampf gegen den Militarismus

Frauen forderten nicht nur das Wahlrecht, sondern engagierten sich im Kampf gegen den Militarismus.

Der Internationale Frauentag wird seit über 100 Jahren begangen. Frauen und Männer demonstrieren an diesem Tag für die Rechte der Frauen und deren Gleichstellung. Was hat sich in dieser Zeit verändert? Haben wir heute Gleichberechtigung und Gleichstellung erreicht, könnten wir also den Internationalen Frauentag abschaffen? Antworten auf diese und weitere Fragen gab die Sozialwissenschaftlerin und Historikerin Dr. Gisela Notz bei einem virtuellen Gesprächsabend am 8. März – dem Tag, an dem der Internationale Frauentag seit 1921 jährlich begangen wird – auf igbce.pro, dem digitalen Kompetenzzentrum der IGBCE Bayern.

Gisela Notz spannte den Bogen von den Anfängen des Internationalen Frauentags 1911 bis in den März 2022 und machte dabei deutlich, dass dieser in vielerlei Hinsicht wichtiger denn je ist. »Der Internationale Frauentag stand von Beginn an nicht nur für die politische Emanzipation der Frauen, sondern auch für den Kampf gegen Militarismus«, so die renommierte Sozialwissenschaftlerin und Historikerin. Ein Umstand, der heute weitestgehend in Vergessenheit geraten ist, vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine aber aktueller nicht sein könnte. Der Frauentag heute müsse allein deshalb wie der Internationale Frauentag 1911 »solidarisch, international und ein Kampftag für den Frieden auf der Welt, eine humane Gesellschaft und die die Rechte der Frauen sein«.

Kampf um Gleichberechtigung noch nicht beendet

Denn vor dem Gesetz sind Frauen Männer in Deutschland zwar heute gleichberechtigt, doch die gesellschaftliche Realität ist immer noch eine andere. »Die soziale und politische Chancengleichheit und Gleichberechtigung lässt auch im Jahr 2022 noch sehr zu wünschen übrig«, resümierte Gisela Notz. Beispiele dafür gibt es zur Genüge: Angefangen von der männlichen Dominanz des Deutschen Bundestags (nur 31 Prozent der Abgeordneten sind weiblich) bis hin zur Tatsache, dass Frauen hierzulande noch immer im Schnitt 18 Prozent weniger verdienen als Männer, dafür aber überproportional Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt werden. Fazit des Abends: Heutzutage müssen Frauen zwar nicht mehr für das Wahlrecht in Deutschland streiten, der lange Kampf um echte Gleichberechtigung ist deshalb aber lange noch nicht beendet.

Michael Kniess

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