Graphite Cova: Ein „weiter so“ darf es nicht geben

Die Mitglieder bei Graphite Cova demonstrieren für die Rückkehr zum Flächentarifvertrag Chemie.
Die Mitglieder bei Graphite Cova demonstrieren für die Rückkehr zum Flächentarifvertrag Chemie. Foto: IGBCE

Der Auftrag ist klar formuliert: Ein „weiter so“ darf es nicht geben. Darauf machte der IGBCE-Bezirk Nürnberg mit einer Tarifinformationsveranstaltung bei Graphite Cova Ende November aufmerksam. Vor den Werkstoren des Grafitelektrodenherstellers im mittelfränkischen Röthenbach an der Pegnitz setzten zahlreiche Mitarbeiter*innen zusammen mit der Zukunftsgewerkschaft trotz heftigen Schneetreibens ein deutliches Zeichen für die Rückkehr in den Flächentarifvertrag Chemie. Aktuell befindet sich Graphite Cova, das 2004 aus dem in Insolvenz gegangenen fränkischen Traditionsunternehmen Conradty hervorgegangen ist, nur in Anlehnung an diesen mit abgesenkten Entgelten.

Das Unternehmen löst seine Versprechen nicht ein

„Nach der Insolvenz hat es ein klares Versprechen seitens des indischen Investors gegeben: Wenn die Kolleg*innen zeitlich begrenzt auf einen Teil ihrer Löhne und Gehälter verzichten, wird dafür der Standort fit für die Zukunft gemacht“, erinnert Christian Vossenkaul, Gewerkschaftssekretär des IGBCE-Bezirks Nürnberg. Der Betriebsbetreuer weiter: „Doch beide Versprechen – sowohl die Sanierung der in die Jahre gekommenen Produktionsstätten als auch die Rückkehr in die Fläche – wurden bis heute nicht eingehalten, obwohl die Mitarbeiter*innen durch den Sanierungstarifvertrag ihren Teil dazu beigetragen haben.“

Konkret bedeutet das: Seit nunmehr 17 Jahren geht die Lohnschere bei Graphite Cova im Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche immer weiter auseinander. „Die Übernahme damals war natürlich ein Segen, weil sie mehr als 200 Arbeitsplätze in der Region gerettet hat. Aber wir haben dafür einen hohen Preis zahlen müssen“, so der Betriebsratsvorsitzende Klaus Höninger. „Ein erhebliches Minus bei den Entgelten gegenüber dem Tarifvertrag, kein Urlaubsgeld und nur das halbe Weihnachtsgeld. Das ist seit 17 Jahren unsere Realität.“ Manch eine*e Kolleg*in habe in diesem Zeitraum mehr als 100.000 Euro eingebüßt.

Am 14. Dezember geht es in die fünfte Verhandlungsrunde

Seit zwei Jahren kämpft der IGBCE-Bezirk Nürnberg nun schon engagiert in zähen und schwierigen Tarifverhandlungen mit der Graphite Cova-Geschäftsführung um eine Rückkehr in den Flächentarifvertrag Chemie. Die Tarifaktion kurz vor der fünften Tarifverhandlungsrunde am 3. Dezember, die nach langem Ringen auf den 14. Dezember vertagt wurde, weil die Arbeitgeberseite keinerlei Spielräume zugelassen hat, machte eines deutlich: Die Zugeständnisse der Vergangenheit müssen ein Ende haben. Den Beschäftigten reicht es. Christian Vossenkaul betont: „Es ist an der Zeit, dass die Kolleg*innen endlich das bekommen, was sie seit Jahren verdienen. Wenn nötig, werden wir dafür auch in den Arbeitskampf gehen.“

Von Michael Kniess

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